Wohnungsbesichtigung gegen Vorkasse – Betrugsmasche

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Photo by GörlitzPhotography

Cyber-Kriminalität tritt in vielen Bereichen auf – so auch auf dem Immobilienmarkt. Vielleicht hast du auf einem Immobilien-Portal im Internet schon einmal eine Anzeige gelesen, die eine renovierte Wohnung in guter Innenstadtlage zu einem günstigen Mietpreis offeriert? Und du warst sofort Feuer und Flamme und hättest viel dafür gegeben, diese Traumwohnung zu ergattern.

So geht es Vielen – doch dann platzt der schöne Traum und die ganze Sache entwickelt sich zu einem Albtraum. Warum?  Du hast die Bewerbungsmaske online ausgefüllt, alle gewünschten Daten inklusive Adresse, Telefon, E-Mail-Adresse und Einkommensangabe ausgefüllt – und schon bald eine Antwort (in schlechtem Englisch) vom vermeintlichen Vermieter mit folgenden Informationen erhalten:

  • Der Vermieter lebt im Ausland und müsste wegen der Besichtigung extra nach Deutschland kommen, oder
  • er ist längerfristig erkrankt oder beruflich unpässlich, und kann nicht persönlich nach Deutschland reisen.

Sein Vorschlag:

  • Du überweist eine Sicherheitskaution über einen Transferservice wie etwa Western Union.
  • Als Gegenleistung werden dir über einen Treuhänder (zum Beispiel die Zimmervermittlungsagentur Airbnb) der Wohnungsschlüssel sowie der Mietvertrag zwecks Besichtigung übermittelt.
  • Wenn dir die Wohnung nicht gefällt, schickst du den Schlüssel zurück; die Kaution wird dir nach dessen Erhalt umgehend zurückgezahlt.

ACHTUNG: Wenn du dich darauf einlässt und das Geld überweist, wirst du es nie wiedersehen. Und selbstverständlich gibt es auch keinen Treuhänder, der dir den Schlüssel und den Mietvertrag zusenden oder übergeben wird.

Wer und was steckt dahinter?

Solche Betrüger registrieren sich mit falschen Kundendaten auf Online-Immobilienportalen und erstellen dort Wohnungsangebote in begehrter Großstadtlage mithilfe von Kopien echter Wohnungsinserate. Oder sie erfinden einfach welche. Hierfür werden Fake-Fotos verwendet. Zugriff darauf erhalten die Betrüger über die Accounts von Maklerbüros. Meldet sich jemand auf die Anzeige, werden von den Tätern Namen von ahnungslosen real existierenden Personen im Ausland eingesetzt (Ärzte, Architekten, Designer). Gleiches widerfährt sogenannten Treuhändern wie Airbnb. Selbst dein Name kann für diese Masche missbraucht werden, wenn du auf eine Fake-Anzeige antwortest und deine persönlichen Daten übermittelst.

Ziel des Aufwandes: Überweisung eines Geldbetrages an anonyme Täter im Ausland. Und das lohnt sich! Laut hessischem Landeskriminalamt transferieren die Betrogenen rund 500 – 1.000 € pro Betrugsfall.

Woran erkenne ich die Betrugsabsicht?

Kein seriöser Vermieter oder Makler verlangt Geldleistungen vorab für eine Wohnungsbesichtigung! Vorkasse ist ein typisches Warnsignal für Betrugsabsichten (nicht nur bei Immobilien). Gehe auf solche Forderungen niemals ein!

Nüchtern betrachtet kann es selbstverständlich sein, dass eine Krankheit oder berufliche Gegebenheiten Hinderungsgründe sind. Aber mache dir unbedingt klar, welche Alternativen seriöse Vermieter in diesem Fall haben:

  • Jeder im Ausland wohnende Immobilienbesitzer kann eine deutsche Hausverwaltung oder einen Makler mit der Immobilienbetreuung vor Ort beauftragen und wird hierfür auch die Kosten übernehmen.
  • Sollten dem Eigentümer die notwendigen finanziellen Mittel zur Zahlung derartiger Serviceleistungen fehlen, wird er auch kein Geld für Reparaturen und Instandhaltung übrig haben. Da kann es nur einen Rat geben: Finger weg!

Wieso gelingt der Betrug trotzdem?

Die Betrugsmasche funktioniert, weil die Emotionen der Wohnungsinteressenten angesprochen, Gefühle und Bedürfnisse für eigene Zwecke nutzt werden:

  • Die Sehnsucht nach einer schönen und günstigen Wohnung in guter Lage wird geweckt.
  • Die Angst vor der Konkurrenz verleitet zur vorschnellen Zahlung einer Kaution, um sich eine bessere Chance auf die Wohnung zu sichern.
  • Stories von Krankheit, beruflichem Stress, Sorge vor sinnlos aufgewendeten Reisekosten wecken Empathie und Verständnis.
  • Eine vielleicht zukünftige gute Beziehung zum möglichen Vermieter soll aufgebaut werden und die Bereitschaft zum Kompromiss steigt.

Reagierst du in irgendeiner Weise auf die oben genannten Faktoren, gibst du dem vermeintlichen Vermieter einen Vertrauensvorschuss – aber auf den ist ein seriöser Vermieter nicht angewiesen, weil er sachlich vorgeht und nicht (ausschließlich) emotional.

Wie schütze ich mich vor Betrug?

Bleib realistisch! Schnäppchen auf dem Wohnungsmarkt werden selten öffentlich angeboten. Und wenn doch, ist die Bewerberzahl riesengroß. Die Tatsache, zum Kreis der Auserwählten zu gehören, ist meistens purer Zufall. Ungewöhnliche und komplizierte Vorgehensweisen müssen dich sofort stutzig machen. Beende sofort den Kontakt, wenn jemand für eine einfache Wohnungsbesichtigung eine finanzielle Sicherheitsleistung verlangt.

Wie hilfst du anderen?

Melde das verdächtige Wohnungsinserat dem Immobilienportal, wo du es gefunden hast. Immobilienportale lassen mittlerweile ganze Abteilung daran arbeiten, solche Inserate (wöchentlich zwischen 500 und 1000 Anzeigen) aufzuspüren und zu löschen – und sind für jeden Hinweis dankbar.

Mache auf dem Blog wohnungsbetrug.blogspote.de das Fake-Inserat bekannt und hilf anderen, nicht auch darauf hereinzufallen. Bewahre den Emailverkehr auf und wende dich an die Polizei. Zwar bestehen kaum Chancen, die ausländischen Täter zu überführen. Aber deine Informationen helfen beim Aufdecken weiterer Betrugsversuche. Solltest du bereits Geld überwiesen haben, erstatte auf jeden Fall Anzeige.

Quellen:

Angabe über die Schadenshöhe aus:
Harald Czycholl: Online-Betrüger kassieren für Schein-Wohnungen, in: Die Welt (13.09.2014). Url:
https://www.welt.de/finanzen/immobilien/article132217754/Online-Betrueger-kassieren-fuer-Schein-Wohnungen.html vom 13.09.14 (Stand: aufgerufen am 19.01.17)

Angaben über Häufigkeit der Betrugsversuche und Gegenmaßnahmen:
Immowelt: Schutz vor Immobilienbetrug, Url: http://www.schutz-vor-immobilienbetrug.de/aktuelle/miete-vorabkaution.html (Stand: aufgerufen am 19.01.17)

VD Verbraucherschutz Deutschland online e.V.: Immobilienscout warnt vor Fake-Objekten und Vorkasse-Betrug vom 03.03.2014, Url: https://verbraucherschutz.de/immobilienscout24-warnt-vor-fake-objekten-und-vorkasse-betrug/ (Stand: aufgerufen am 19.01.17)

Missbrauch der Namen, gehackte Makler-Accounts:
Wohnungsbetrug.blogspot.com – about property rental fraud – über Vorkassebetrug bei Wohnungen und mehr, Url: wohnungsbetrug.blogspot.de (Stand: aufgerufen am 19.01.17)

 

 

 

 

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