Öl im Kühlwasser Trick – Betrug

1
8088
Photo by KlausNahr

Die Masche mit dem Öl im Kühlwasser ist nicht neu und funktionierte in diesem Fall folgendermaßen:

Ein Verkäufer setzte seinen Wagen mit allen relevanten Fahrzeugdaten ins Internet. Daraufhin meldete sich jemand, offensichtlich südländischer Herkunft, mit dem ein Termin zur Besichtigung des zum Verkauf stehenden Fahrzeugs vereinbart wurde. Zu diesem Termin erschienen zwei Per-sonen als Käufer. Nach einer ersten Besichtigung baten die potentiellen Käufer den Verkäufer die Motorhaube zu öffnen, um sich den Motor anhören zu können. Unter einem Vorwand lockte einer der Männer den Verkäufer an das Heck des Wagens, während der andere bei der geöffneten Motorhaube verblieb. In einem unbemerkten Moment muss er Motoröl in den Vorratsbehälter des Kühlwasserkreislaufs geträufelt haben. Als sich einige Minuten später alle wieder vor dem Motor versammelten, wurde der Behälter geöffnet und moniert, dass sich Ölrückstände im Kühl-wasser befänden, was auf eine defekte Zylinderkopfdichtung schließen ließe. Bei einer Probefahrt rauchte der Motor sogar. Das nutzten die Männer, um den Preis bei dem verunsicherten Verkäufer enorm zu drücken. Sie wären zwar bereit das Fahrzeug trotz des Schadens zu kaufen, allerdings müsse der Kaufpreis enorm reduziert werden. Sie verwiesen auf die sonst erfolglos angetretene weite Anreise und die bevorstehenden teuren Reparaturkosten. Letztendlich erwarben sie das Fahrzeug zu ihrem Preis. Später stellte sich sogar heraus, dass die im Kaufvertrag angegebenen Personalien und Anschriften der Käufer erfunden waren.

In einem anderen Fall weigerte sich der Verkäufer, bei der gleichen Vorgehensweise, seinen Wagen günstiger zu verkaufen. Stattdessen suchte er mit seinem Fahrzeug eine Vertragswerkstatt auf, in der Öl im Kühlsystem festgestellt wurde. Weder war der Motor beschädigt, noch war eine Schädigung zu erwarten oder die Zylinderkopfdichtung defekt. Allerdings musste durch eine 200 € teure Spülung und Erneuerung das Öl aus dem Wasserkreislauf beseitigt werden. Auf den Kosten blieb der Verkäufer leider sitzen.

Ein anderer Verkäufer erfuhr durch einen Bekannten von dieser Masche und vereinbarte mit den Aufkäufern ein weiteres Treffen. Er informierte die Polizei, die zum Treffpunkt erschien und die mutmaßlichen Betrüger festnahm. Bei näheren Ermittlungen stellte die Polizei fest, dass die Männer mit einem Audi A4 anreisten, den sie mit ihrer Masche einem betrogenen Verkäufer abluchsten.

Die erweiterte Version

Wie fast schon üblich, wurde auch der „Öl im Kühlwasser Trick“ erweitert. Für einen im Internet inserierten Wagen zum Verkaufspreis von 3100 € wurde ein Besichtigungstermin mit einem Abrufer mit unterdrückter Telefonnummer vor Ort vereinbart. Es erschienen drei Männer, die das Fahrzeug inspizierten und unter die Motorhaube schauten. Gekauft haben sie den Wagen nicht. Noch am selben Tag meldete sich ein Interessent, der nach ein paar kurzen Informationen den Wagen unbesehen zu dem Preis  nehmen wollte. Am vereinbarten Abholtag erreichte den Verkäufer eine SMS mit dem Hinweis, dass auf der Autobahn ein Stau herrsche, man noch 200 Kilometer entfernt sei und erst 3 Stunden später da sein könne. Gegen 21:00 Uhr traf der Käufer mit einem Freund ein. Der Wagen stand 100 Meter entfernt und Käufer, Verkäufer und seine Vertrauensperson begaben sich dorthin, während der 2. Mann im Wagen sitzen blieb. Es fiel auf, dass die mitgebrachten Kurzzeitkennzeichen aus einer anderen Stadt stammten. Der Käufer öffnete den Vorratsbehälter für die Kühlflüssigkeit und entdeckte Öl. Er rief per Handy einen Pannendienst eines Automobilclubs an und stellte es auf Lautsprecher. Ihm wurde eröffnet, dass die Reparaturkosten sich voraussichtlich auf ca. 3000 € + Arbeitslohn belaufen. Den Vorschlag einen Abschleppwagen zu schicken lehnte der Mann ab. Offensichtlich hatte er nicht manipuliert, so dass der erschrockene Verkäufer einen Nachlass von 500 € anbot. Diesen Preis bot nun der Käufer für den gesamten Wagen, so dass man sich letztendlich auf 1100 € einigte. Er nahm den Kfz-Brief, wollte keinen Kaufvertrag ausfüllen und verschwand recht schnell.

Eine Analyse des Falles ergab folgendes: Es konnten nur die 3 Männer vom Vortag das Öl in den Wasserkreislauf gebracht haben. Der Pannendienst des Automobilclubs musste ebenfalls zum Betrügerteam gehören, denn es ist unwahrscheinlich und unseriös telefonisch Diagnosen und Kostenvoranschläge ohne Besichtigung spätabends zu erstellen. Auffällig war auch die Terminverschiebung und die Kurzzeitkennzeichen aus einer weit entfernten Stadt.

Rechtlich liegt hier eine schwierige Situation vor, denn die eigentlichen Käufer haben nicht manipuliert, sondern bestenfalls ein defektes Fahrzeug gekauft. Die Manipulation ging vom ersten Trio aus, was aber nur schwer beweisbar ist und die sich eigentlich keinen Vorteil verschafft haben.

Das sollten Sie grundsätzlich befolgen

Rechtlich liegt nicht nur eine Betrugshandlung vor, sondern auch eine Urkundenfälschung. Unter Umständen auch eine Sachbeschädigung, wenn dem Verkäufer in der Werkstatt Reparaturkosten entstehen. Die Polizei empfiehlt, sich auf jeden Fall ein Ausweisdokument zeigen zu lassen und die Daten auch zu notieren. Sollte es zu Differenzen kommen, wie zum Beispiel im geschilderten Fall, sollte vor dem Verkauf eine Fachwerkstatt aufgesucht werden. Sollten Sie den Verdacht haben, dass es sich um einen Betrug handelt, auf jeden Fall die Polizei verständigen. Vorbeugend sollten Sie den potentiellen Käufer nicht aus den Augen lassen und eventuell einen Bekannten hinzuzie-hen. Treten Sie nicht alleine auf!

 

 

 

 

 

1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.